Deutsche Keramische Gesellschaft e.V.

Geschichte der Deutschen Keramischen Gesellschaft e. V.

Die Deutsche Keramische Gesellschaft (DKG) wurde 1919 ge- gründet und besteht als Verein seit 1920, doch die Vorgängerorganisation der DKG ist sieben Jahre älter. Hier erfahren Sie mehr über die mehr als einhundertjährige Geschichte unseres Vereins.

 

  • Der Ursprung
    Wissenschaftlich-Technische Abteilung (TWA) im Verband der
    Keramischen Gewerke (VKG) in Deutschland (1913-1918)

Dr. ZimmerDie Idee zur Gründung eines technisch-wissenschaftlichen Verbandes der Keramiker in Deutschland brachte Herr Dr. Zimmer (Bild) aus den USA mit. Dort war 1899 die "American Ceramic Society“ (ACerS) gegründet worden. In Japan gab es einen solchen Verband seit 1891.
Herr Dr. Uhlitzsch,  Geschäftsführer des Verbandes Keramischer Gewerke (VKG) in Deutschland, zeigte sich offen gegenüber dem Vorhaben und überzeugte die Mitglieder des VKG, eine „Technisch-Wissenschaftliche Abteilung (TWA)“ zu gründen.

 

Dr. Roger von Boch Am 13. Juni 1913 fand im Hörsaal des Technisch-Chemischen Instituts der Köngl. Technischen Hochschule zu Charlottenburg, Berlin, die konstituierenden Sitzung der Technisch-Wissenschaftlichen Abteilung des VKG in Deutschland statt. Der Vorsitzende des Verbands keramischer Gewerke Herr Generaldirektor Dr. Roger von Boch-Gahlau (Bild) eröffnete die Sitzung mit folgenden Worten:

„Als Vorsitzender des Verbands keramischer Gewerke in Deutschland liegt mir die angenehme Pflicht ob, Sie alle, die Sie hier zu der Eröffnungs-Sitzung der wissenschaftlich-technischen Abteilung erschienen sind, auf herzlichste zu begrüßen und Sie willkommen zu heißen.“

Bereits zur Gründung traten 69 Firmen der TWA bei, sowie 14 Einzelmitglieder und 27 Vertreter von Wissenschaft und Lehre.
Den Vorsitz übernahm der Direktor der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin, Herr Dr. Heinecke. Von Beginn an bildeten wissenschaftliche Vorträge einen wichtigen Teil der Hauptversammlungen. Als Publikationsorgan zur Berichterstattung über die Haupt- und Nebenversammlungen wurden die „Berichte der technisch-wissenschaftlichen Abteilung“ (Vorgängerin der DKG Verbandszeitschrift cfi/ Ber. der DKG) ins Leben gerufen.

 

  • Die Gründung
    Deutschen Keramischen Gesellschaft (1919)

Dr. Ing. h. c. Philipp RosenthalAm 29. September 1919 wurde durch den Vorsitzenden des Verbandes keramischer Gewerke in Deutschland (VKG), Herr Geh. Kommerzienrat Dr. Ing. h. c. Rosenthal (Bild), eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen. Im geschäftlichen Teil wies der Vorsitzende auf die Neuorganisation der VKG hin und die damit verbundene Notwendigkeit, auch die TWA umzugestalten. Als wesentlichen Grund nannte Herr Dr. Rosenthal, dass nur durch einen konsequenten Zusammenschluss aller Technisch-Wissenschaftlichen Förderungsmöglichkeiten der an der keramischen Industrie interessierten Kreise, deren Wettbewerbsfähigkeit weiterhin zu erhalten sei. Daher müsse in einem ersten Schritt, die TWA einen vorläufiger Vorstand und ein vorläufiger Arbeitsausschuss wählen, den die Aufgaben zufielen, eine neue Satzung zu erarbeiten und sie einer später einzuberufenden Mitgliederversammlung zu unterbreiten. In dieser Mitgliederversammlung wurden als vorläufige Vorstände gewählt:

- Herr Prof. Dr. Reisenegger,
- Herr Dr. Heine,
- Herr Dr. Singer,
- Herr Dr. Rosenthal und
- Herr PD Dr. Rieke.

 

  • Die erste Hauptversammlung (1920)

Am 04. September 1920 begrüßte Herr Dr. Heine in Vertretung von Herr Prof. Reisenegger zahlreiche Gäste und Vertreter aus dem Reichspatentamt, des Reichkohlenkommissars, der Brennkrafttechnischen Gesellschaft, des Vereins Deutscher Ingenieure, vieler Hochschulen, der Presse und alle anwesenden Mitglieder im Hotel Bellevue in Dresden. Herr Dr. Heine setzte die Versammlung davon in Kenntnis, dass in einer am vormittags stattgefundenen Sitzung der Technisch-Wissenschaftlichen Abteilung des Verbandes Keramischer Gewerke in Deutschland, die Auflösung und ihr Übergang in eine unabhängige Deutsche Keramische Gesellschaft unter gleichzeitiger Übernahme des Vermögens der Vorgängerorganisation einstimmig beschlossen wurde.

Nachfolgend ergriff Herr Dr. Uhlitzsch das Wort (Auszüge aus seiner Rede):

  • „Meine Herren!
    In der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Verbandes keramischer Gewerke in Deutschland am 29. September 1919 in Berlin wurde in naturgemäßer Folge der Änderung des Verbandes auch die Neuorganisation der technisch-wissenschaftlichen Abteilung begonnen. Es wurde zunächst ein vorläufiger Vorstand und ein vorläufiger Arbeitsausschuss gewählt und diese Organe mit dem Entwurf einer Satzung beauftragt. Bei Aufstellung der Satzung sollte daran festgehalten werden, dass die Organisation in getreuer Verfolgung der seit ihrer Gründung im Jahre 1913 hochgehaltenen Grundsätze der technisch-wissenschaftlichen Abteilung weiter arbeiten soll."


    Diese sind:
    • "Die Förderung der Keramik in technischer, wissenschaftlicher und künstlerischen Beziehung; die Zusammenführung von Theorie und Praxis in allen keramischen Fragen und die Anregung, alle vorhandenen keramischen Kenntnisse in Wort und Schrift zu ergänzen, zu bereichern und damit den Kreis der keramischen Interessenten zu erweitern. […]
    • Ebenfalls hat die Gesellschaft durch die Bündelung aller Kräfte mit dafür Sorge zu tragen, dass dem Nachwuchs eine gediegene fachliche Ausbildung verschafft wird. […]
    • Diese Ziele machen es erklärlich, dass sich nach übereinstimmender Ansicht die Arbeit der neuen Gesellschaft nicht nur auf das Gebiet der Feinkeramik beschränken kann, sondern sich auf das Gesamtgebiet der Keramik wegen der zahlreich ineinander laufenden Interessen auszudehnen habe."
  • "Dem Entwurf der Satzung der TWA wurde in der Vorstandssitzung des Verbandes Keramischer Gewerke in Deutschland am 21. Januar 1920 in Berlin zugestimmt und beschlossen, dass die neue Organisation ab sofort den Namen Deutsche Keramische Gesellschaft (DKG) annimmt. Nach der Satzung obliegt nunmehr die gesamte Verwaltung der Gesellschaft in den Händen des Vorstandes, des Arbeitsausschusses und dieser Mitgliederversammlung.“


Am 05. September 1920 wurde in der 1. DKG-Hauptversammlung die ersten Vorstände der Gesellschaft gewählt und einstimmig bestätigt:

1. Vorsitzender: Herr Prof. Dr. Reisenegger, Berlin
2. Vorsitzender: Herr Direktor Dr. Heine, Bonn
3. Vorsitzender: Herr Dr.-Ing. Singer, Selb
Vorstand und Geschäftsführer: Herr Dr. Uhlitzsch
Vorstand wissenschaftlicher / literarischer Arbeiten: Herr PD Dr. Rieke
Vorstand: Herr Geh. Kommerzienrat Dr.-Ing. e. h. Rosenthal

 

  • Unsere Geschichte (... ein kurzer Abriss seit 1920)

1920 fand neben der ersten Herausgabe der „Berichte der DKG“ auch die erste Jahrestagung inklusive 1. Hauptversammlung des Verbandes statt, die wissenschaftliche Vorträge mit Betriebsbesichtigungen kombinierte. Zwei Jahre nach der organisatorischen Trennung vom Verband der Keramischen Gewerke (VKG) erfolgte auch die geographische Distanzierung. Von den Räumlichkeiten des VKG in Bonn aus ging es 1921 nach Berlin.

Arbeitsschwerpunkte unter dem ersten Präsidenten Herr Prof. Dr. Reisenegger, Leiter des Technisch-chemischen Instituts der TH Berlin, war die keramische Nachwuchsförderung und der Ausbau der Fachschulen.
Unter Führung der DKG wurde das erste akademische Keramik-Studium in Deutschland "ins Leben gerufen". Den ersten Keramik-Lehrstuhl richtete die DKG in Zusammenarbeit mit den zuständigen Ministerien an der TH Berlin-Charlottenburg ein. Ein weiterer Erfolg war, das die „Technisch-Chemische Versuchsanstalt bei der Staatlichen Porzellanmanufaktur Berlin“ als Hochschulinstitut anerkannt wurde, mit Berechtigung, Diplom- und Doktorarbeiten anzunehmen. Gemeinsam mit Herr Steger und Herr Hecht sorgte der auf diesen ersten Lehrstuhl berufene Herr Prof. Dr. Rieke für die Etablierung der Keramik auf ein wissenschaftlichem Niveau. Die ersten Abgänger dieser universitärer Einrichtung waren die geistige Grundlage, dass die deutsche Keramikindustrie nicht nur wesentliche Fortschritte erzielen konnte, sondern im globalen Maßstab technisch und wissenschaftlich führend wurde.

1925 wurde der „Wissenschaftliche Beirat der DKG" ins Leben gerufen. Sonderausschüsse – die Vorläufer der heutigen DKG-Fach- und Fachgebietsausschüsse – beschäftigten sich seither mit einzelnen Fachbereichen wie z. B. Rohstoffen, Materialprüfung und Maschinentechnik etc.

Die Erfolge der DKG zeigten sich in einem rege Zuspruch aus Industrie, Wissenschaft und Lehre. Bereits Mitte der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts, waren auf den DKG-Jahreshauptversammlungen (heute DKG-Jahrestagungen) regelmäßig mehr als 500 Personen anwesend.

Erste Ehrungen nahm die DKG 1929 in Heidelberg vor. Sie verlieh hier erstmalig die Seger- und die Böttger-Plaketten an verdiente Mitglieder und Keramiker. Unter dem Präsidenten Herr Fellinger (1929-37) und Herr Willach (1937-45) wurde satzungsgemäß auch die Grobkeramik und weitere Bereiche der Keramik in die DKG integriert.

Konnte die DKG vor dem II. Weltkrieg mehr als 1.150 persönliche Mitglieder zählen, erlitt sie kriegsbedingt große personelle Verluste. Das gesamte Berliner Institut wurde durch Bomben zerstört, Herr Prof. Dr. Rieke starb während des Krieges und am Kriegsende wurde die DKG - wie alle Verbände - zwangsaufgelöst.
 

Die "Neugründung" der DKG war erst am 19. März 1949 auf bizonaler Ebene möglich, dank des großen persönlichen Einsatzes von Herr Dr. Guilleaume (Bild / Geschäftsführender Gesellschafter der Schleifscheibenfabrik Dr. O. Goertz und W. Guilleaume, Bonn).
Aufgrund seiner Verdienste wurde Herr Dr. Guilleaume daraufhin in der ersten DKG-Jahreshauptversammlung der Nachkriegszeit zum neuen Präsidenten des Verbands gewählt. Unter Herr Dr. Guilleaume wurde die DKG bereits 1950 in die europäische Vereinigung Keramischer Verbände (CIC) aufgenommen. Unter seiner Präsidentschaft gelang es der DKG, als Ausgleich der "Verlustes" der Ausbildungsstätten in Berlin, Breslau und Bunzlau, die keramischen Forschungsanstalten in Aachen, Clausthal und das Institut für Silicatforschung in Würzburg neu zu gründent bzw. wiederzueröffnen.

Anfang der 1950er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde die Geschäftsstelle des Vereins unter Herr Knauf zunächst nach Bonn, und 1959 nach Bad Honnef verlegt. Die Schriftleitung und Koordination der wissenschaftlichen Arbeiten wurde unter Herr Dietzel in Würzburg situiert.

1957 übernahm Herr Dr. Dr.-Ing. e.h. G. Cremer (Bild) für 12 Jahre (1957-69) den Vorsitz der DKG. Seine Verdienste bestanden in der konsequenten Weiterführung der Nachwuchsförderung, der Unterstützung des keramischen Kunsthandwerks und in der weiteren Reintegration der deutschen Keramik in das internationale Geschehen. Unter Herr Dr. Cremer gelang es der DKG den VI. Kongresses der CIC in Wiesbaden zu organisieren und damit letztendlich die Präsenz der deutschen Keramik, nach dem II. Weltkrieg, wieder international herzustellen.


Nach der Wiederbelebung der akademischen Forschung und Lehre nach dem II. Weltkrieg widmete sich die DKG ab 1961 verstärkt den Ingenieur- und Fachschulen. Grund war die Strukturänderungen in der Industrie - weg von den Meisterbetrieben - hin zu den Ingenieurbetrieben. Die DKG musste zusammen mit ihren Partnern nun dafür Sorge tragen, dass die wissenschaftlich-technischen Entwicklung in der Keramik (u. a. durch die Etablierung der Technischen Keramik) auch in der Ausbildung nachvollzogen wurde. Ende der 1960er-Jahre wurde daher zusätzlich die Ausbildung zum „Keramik-Techniker“ ins Leben gerufen.

Um 1965 hatte die die DKG wieder die Mitgliederstärke der Vorkriegszeit erreicht. Mehr als 500 Teilnehmer kamen regelmäßig zu den DKG-Jahrestagungen, die nun auch im "deutschsprachigen" Ausland abgehalten wurden, so beispielsweise in Basel, Salzburg und Luxemburg.

Mitte der 1970er-Jahre, nach wirtschaftlichen Problemen in der Gesellschaft, gelang es dem Präsidenten Herr Lehmann und dem Geschäftsführer Herr Hartinger, durch verschiedene Maßnahmen, wie z. B. der redaktionellen Auslagerung der Verbandszeitschrift "Berichte der DKG" in den Bauverlag, die Gesellschaft bis 1981 wieder finanziell zu konsolidieren.

1984 übernahm Herr Dr. Blumenberg die Geschäftsführung (1984-2011) von Herr Rechenberger (1981-84) und verlegte die Geschäftsstelle von Bad Honnef nach Köln.
Unter Herr Dr. Blumenberg gelang der DKG die erfolgreiche Eingliederung aller fachlichen Aktivitäten aus Industrie, Wissenschaft und Lehre aus den Gebieten Mitteldeutschlands (Neue Bundesländer), die vor dem II. Weltkrieg zu den fachlich aktivsten keramischen Regionen zählten.

Herr Prof. Hausner (Präsident 1987-91), trug zur gleichen Zeit zur weiteren Internationalisierung der DKG bei. So wurde 1989 die DKG - als nun mitgliedsstärkste keramische Organisation in Europa - ein wichtiges Gründungsmitglied der Europäischen Keramischen Gesellschaft (ECerS); ebenfalls wurde die Gesellschaft ein Gründungsmitglied der International Ceramic Federation (ICF). Herr Prof. Hausner wurde in Folge zum zweiten ECerS-Präsidenten (1989-91) und dritten ICF-Präsidenten (1993-95) gewählt.
Darauf aufbauend, konnte sich die Gesellschaft unter den Präsidentschaften von Herr Schmidt (1991-95) und Herr Dr. Walter (1995-99) kontinuierlich weiterentwickeln.

Ab dem zweiten Jahrtausend gaben die neue Impulse aus der keramischen Wissenschaft, Lehre und Industrie der Gesellschaft weitere Entwicklungsschübe, die unter den Präsidentschaften von Herr Prof. Dr. Schulle (1999-2003), Herr Prof. Dr. Heinrich (2003-07), Herr Prof. Dr. Telle (2007-11),
Herr Dr. Nicklas (Geschäftsführer seit 2011), Herr Griebe (2011-15), Herr Heym (2015-19) und Herr Prof. Dr. Michaelis (ab 2019) sowie von vielen - hier nicht genannten Persönlichkeiten - erfolgreich angenommen wurden.

Heute hat die DKG, als mitgliederstärkste keramische Gesellschaft in Europa, ihren angestammten Platz in der nationalen- und internationalen, keramischen Gemeinschaft wieder eingenommen. Seit über 100 Jahren ist die Gesellschaft nun das Forum für alle technisch-wissenschaftlichen Fragen zum Thema KERAMIK. Sie pflegt und unterhält damit ein einzigartiges Netzwerk zwischen Anwender, herstellender Industrie, Forschung, Wissenschaft und Lehre und
ist einer der gefragtesten Ansprechpartner in Bezug auf dem Werkstoff KERAMIK.
 

Auch im zweiten Jahrhundert ihres Bestehens
ist die DKG immer noch ihrem Leitspruch von 1919 verpflichtet:

KERAMIK - Werkstoff der Menschheit!

 

Quelle: H. Reh: Die DKG und die deutsche Keramik-Geschichte. In: cfi/Berichte der DKG 71 (1994) No. 7, 351-359. Ergänzungen: DKG (2011 - 2017)


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